Das perfekte Elterngespräch


08.10.2014
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Elterngespräche gehören zum Kerngeschäft jeder Kita. Als Leiterin streben Sie natürlich danach, dass die Elterngespräche in Ihrer Einrichtung auf einem hohen qualitativen Niveau geführt werden, das von jeder Erzieherin eingehalten werden kann. Lesen Sie hier, wie Sie Ihren Mitarbeiterinnen die Durchführung eines perfekten Elterngespräches vermitteln können.

1. Schritt: Sorgen Sie für eine passende Einladung
Das Elterngespräch beginnt nicht mit dem Gespräch zwischen Eltern und Erzieherin, sondern es fängt weitaus früher an. Bereits die Art und Weise, wie die Eltern eingeladen werden, entscheidet mit darüber, ob das Elterngespräch von Erfolg gekrönt ist. Legen Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen fest, wie Sie die Eltern zu einem Gespräch einladen möchten. Je nach Anlass ist das sicher unterschiedlich. Dennoch sollte für alle Erzieherinnen klar sein, dass auch bei der Einladung zu einem anstehenden Problemgespräch die Atmosphäre stimmen muss.

2. Schritt: Treffen Sie qualifizierte Vorbereitungen
Ein perfektes Elterngespräch wird nicht ohne Vorbereitung gelingen. Ermutigen Sie Ihr Personal, eine möglichst gute Vorbereitung für jedes Elterngespräch zu
treffen. Auch routinierte Erzieherinnen sollten jedes Gespräch mit großer Sorgfalt schriftlich vorbereiten. Hilfreiche Fragen zur Vorbereitung sind folgende:

  • Wie sieht mein Gesprächsziel aus?
  • Wie kann ich den Eltern die Situation verdeutlichen?
  • Wie kann ich mich in die Situation der Eltern hineinversetzen?
  • Welche Lösungswege können dem Kind nützen?

In meiner eigenen Kita habe ich die Erfahrung gemacht, dass es für erfahrene genauso wie für neue Erzieherinnen eine Hilfe ist, mit einem einheitlichen Vorbereitungsbogen für Elterngespräche zu arbeiten. Einen solchen Bogen möchte ich Ihnen auf nächster Seite vorstellen.

Da die Vorbereitungszeit in jeder Kita mittlerweile ein sehr kostbares Gut ist, nutzen wir den gleichen Vorbereitungsbogen 3-fach:

  1. für die Vorbereitung,
  2. für Notizen während der Durchführung
  3. für ein stichpunktartiges Gesprächsprotokoll.

3. Schritt: Schildern Sie Ihr Anliegen klar und deutlich
Nach einer Begrüßung und kurzem Smalltalk sollten Sie direkt zum Punkt kommen. Schildern Sie den Eltern das Anliegen Ihres Elterngespräches. Beschreiben Sie die Situation klar und deutlich. Sagen Sie z. B.: „Tobias macht zwar Fortschritte in der Aussprache der verschiedenen Laute. Allerdings ist die Kluft zu gleichaltrigen Kindern noch sehr groß. Besonders bei den T- und S-Lauten tut sich Tobias noch sehr schwer. Mein Anliegen ist es, heute gemeinsam mit Ihnen zu überlegen, wie unser Kindergarten und Sie als Eltern Tobias dabei helfen können, flüssiger und deutlicher zu sprechen. Tobias ist ein sehr kluger Junge. Ich möchte ihm dabei helfen, dass er das auch zeigen kann.“

Die Eltern können Sie besser verstehen, wenn Sie Beispiele aus Ihrer Einrichtung schildern. Gefühle wie Sorge oder Freude über den Fortschritt des Kindes sollten Sie nicht verbergen. Dies baut Vertrauen auf und zeigt den Eltern, dass es Ihnen wirklich um ihr eigenes Kind geht. Fragen Sie die Eltern danach, ob sie zu Hause auch Fortschritte oder Ähnliches beobachtet oder welche Erfahrungen sie mit ihrem Kind gemacht haben.

 

 

4. Schritt: Versuchen Sie, die Eltern zu verstehen
„Wenn Sie schon früher meinem Rat gefolgt wären und einen Kinderpsychologen aufgesucht hätten, säßen wir heute nicht hier.“ Solche Äußerungen bringen im Elterngespräch niemanden weiter. Die Eltern erleben dies als Vorwurf und fühlen sich herabgesetzt. Vorwürfe sind ein Tabu im Elterngespräch. Bringen Sie Verständnis auf. Nur so können Sie gemeinsam mit den Eltern eine tragfähige Lösung im Sinne des Kindes entwickeln. Wenn Eltern vorschnell auf einen Vorschlag eingehen, den sie nicht durchhalten können, bleibt das ganze Elterngespräch wirkungslos. Signalisieren Sie den Eltern im Gespräch Verständnis: „Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie täglich mit der Betreuung Ihrer 3 Kinder alle Hände voll zu tun haben. Eine gezielte Förderung der Aussprache wäre jedoch für Tobias sehr wichtig. Gibt es einen bestimmten Wochentag, an dem Sie mit Tobias eine logopädische Praxis aufsuchen können? Ich bin Ihnen gerne bei der Suche nach einer geeigneten Logopädin behilflich.“

5. Schritt: Machen Sie nur realistische Zusagen
Ein Elterngespräch wird dann zum perfekten Elterngespräch, wenn Ihre Mitarbeiterinnen bei der Wahrheit bleiben. Machen Sie den Eltern keine falschen Versprechungen. „In 4 Wochen hat Tobias die sprachlichen Rückstände aufgeholt“, dies enttäuscht die Eltern, wenn sie sich gemeinsam mit Ihnen Mühe geben und der versprochene Erfolg ausbleibt. Sagen Sie den Eltern realistisch, wie lange es Ihrer Erfahrung nach dauern wird, bis sich z. B. eine Verbesserung einstellt. Ermutigen Sie die Eltern aber auch, sich an kleinen Fortschritten und Erfolgen zu erfreuen. Machen Sie die Eltern im täglichen Kontakt immer wieder auf solche Erfolge aufmerksam, und loben Sie sie, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Eltern ihren Part zu Hause gut erfüllen.

6. Schritt: Treffen Sie konkrete Vereinbarungen
Fassen Sie am Ende des Gespräches noch einmal zusammen, was die Eltern übernehmen und wie Sie mit dem Kind in Zukunft arbeiten möchten. Halten Sie diese Beschlüsse oder Vereinbarungen schriftlich in Ihrer Elterngesprächsvorlage fest. Fragen Sie die Eltern, ob sie einen Folgetermin vereinbaren möchten. Mit diesen 6 Schritten gelingt es Ihren Mitarbeiterinnen, perfekte Elterngespräche durchzuführen.

 

Muster: Gesprächsvorlage zum Vorbereiten und Durchführen eines Elterngespräches

Muster_schwierige-Elterngespraeche_1

Die Mustervorlage können Sie in unserem Downlad-Bereich gratis downloaden.

Autorin: Petra Lachnit, Chefredakteurin, leitet eine große Tageseinrichtung in Würzburg, ist Fachbuchautorin und Referentin für Fortbildungen für Erzieherinnen.

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