Eine Erzieherin erklärt einer Kita-Gruppe im Morgenkreis die Zeit

Projektideen zum Thema Zeit: Kindern die Zeit erklären – 4 Tipps

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Inhaltsverzeichnis

Man kann sie nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen, und anfassen kann man sie auch nicht. Aber man kann sie suchen und finden – die Zeit. Machen Sie sich gemeinsam mit den Kindern auf eine spannende Suche nach der Zeit –  und verlieren Sie keine Zeit für dieses Projekt! Im Folgenden finden Sie kreative Tipps, die die Zeit Ihres Projektes wertvoll machen – und zwar nicht nur für die Kinder.

Warum ist es wichtig, Kindern das Thema Zeit zu vermitteln?

Die Zeit ist ein grundlegendes Konzept, das Kinder von klein auf lernen sollten, da es ihnen hilft, ihre täglichen Aktivitäten zu planen und zu organisieren und ihnen auch hilft, ihre Umgebung besser zu verstehen. Indem Sie den Kindern beibringen, wie man die Zeit liest und wie man sie nutzt, können Sie ihnen helfen, ihre Aufgaben und Aktivitäten besser zu organisieren und ihre Zeit effektiver zu nutzen. Sie können ihnen auch beibringen, wie man sich an einem Zeitplan hält und wie man pünktlich zu Terminen kommt, was wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben sind.

Die Wichtigkeit des Zeitverständnisses zeigt sich auch in der Entwicklung von Routinen. Kinder, die eine regelmäßige Routine haben, entwickeln ein besseres Verständnis für die Zeit und lernen, wie man die Zeit effektiv nutzt. Eine klare Tagesstruktur gibt den Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung und hilft ihnen, ihr Verhalten und ihre Emotionen besser zu regulieren.

Insgesamt ist es wichtig, Kindern das Konzept der Zeit frühzeitig beizubringen, um ihnen zu helfen, sich besser in ihrer Umgebung zurechtzufinden und ihre täglichen Aktivitäten und Aufgaben zu organisieren. Durch das Erlernen von Zeitmanagement-Fähigkeiten können sie ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Pünktlichkeit und Organisation im späteren Leben entwickeln.

1. Tipp: So viel Zeit – verschiedene Zeiten entdecken

Welche verschiedene Zeit kennen Sie? Fällt Ihnen auch zuerst die „Urlaubszeit“ ein? Sammeln Sie mit den Kindern alle Zeiten, die ihnen einfallen, wie „Mittagszeit“, „Zeitlupe“, Nachtzeit“, „Zeitbombe“ usw. Dazu wird jeweils ein Bild immer in derselben Größe gemalt und auf einer Leine aufgehängt. Es ist wunderbar, zu beobachten, auf welche Weise die Kinder verschiedene Zeiten darstellen. Planen Sie für Ihre Leine von Anfang an viel Platz ein, z. B. im Flur. Ich selbst bin mit Schulkindern bereits auf 73 verschiedene Zeiten gekommen!

Praxis-Tipp: Die „Zeit-Wand“ als interaktiver Wortschatz-Booster

Das Sammeln von „Zeit-Wörtern“ ist nicht nur ein kreatives Projekt, sondern eine exzellente Methode zur alltagsintegrierten Sprachförderung. Kinder lieben zusammengesetzte Nomen und das Thema Zeit bietet hier eine schier unendliche Auswahl.



So vertiefen Sie den Lerneffekt:

  • Der „Zeit-Detektiv“: Geben Sie den Kindern eine Lupe und lassen Sie sie in Bilderbüchern oder im Gruppenraum nach Situationen suchen, die eine bestimmte „Zeit“ beschreiben (z. B. die Aufräumzeit oder die Kuschelzeit).
  • Haptische Unterstützung: Wenn ein Kind das Wort „Eiszeit“ vorschlägt, hängen Sie neben das gemalte Bild vielleicht eine kleine (leere) Eiswaffel oder ein Stück Alufolie für „Eis“. Das macht den abstrakten Begriff für jüngere Kinder greifbarer.

2. Tipp: Sich der Zeit nähern – philosophieren über die Zeit

Während sich die Kinder mit der Zeit beschäftigen, nähern sie sich auch gedanklich diesem abstrakten Thema. Das merken Sie an wunderbaren Sätzen wie: „Die Zeit ist in der Uhr eingesperrt.“ Oder: „Zeit ist das, was rumgeht!“ Schreiben Sie sich diese Zitate auf, sie sind eine wertvolle Erinnerung an Ihr Projekt! Stoßen Sie solche Gedanken bei den Kindern bewusst an, und kommen Sie miteinander ins Philosophieren. Einen besonders geeigneten Impuls für ein solches Gespräch mit Kindern habe ich beim Kinderbuchautor Erich Kästner gefunden:

„Mein Reich ist klein und unbeschreitbar weit. Ich bin die Zeit. Ich bin die Zeit, die schleicht und eilt, die Wunden schlägt und heilt. Hab weder Herz noch Augenlicht.  Ich trenn die Gut´ und Bösen nicht.  Ich hasse keinen, keiner tut mir leid.  Ich bin die Zeit.“ 

Lesen Sie dieses Gedicht langsam vor, und wiederholen Sie es nach einer kurzen Stille ein weiteres Mal. Jetzt fehlt nur noch eine Frage wie z. B.: „Was denkst du über die Zeit?“, und schon sind Sie mit den Kindern mitten in einem philosophischen Gespräch.

Sie selbst übernehmen dabei die Rolle der Moderatorin. Tiefe geben Sie dem philosophischen Gespräch, indem Sie die Aussagen der Kinder aufeinander beziehen und voneinander abgrenzen, ebenso durch Nachfragen wie:

  • „Was sagst du zum Gedanken von Tim?“
  • „Warum könnte das so sein?“
  • „Was genau könnte damit gemeint sein?“

Versuchen Sie, möglichst viele Aussagen der Kinder zu notieren.

Profi-Tipp für die Dokumentation: Das „Zeit-Zitate-Buch“

Aus pädagogischer Sicht ist die Bildungsdokumentation essenziell. Notieren Sie die Aussagen der Kinder wortwörtlich.

  • Portfolio-Arbeit: Kleben Sie die Zitate zusammen mit einem Foto des Kindes in sein Portfolio. Das zeigt den Eltern die kognitive Entwicklung ihres Kindes schwarz auf weiß.
  • Wandzeitung: Gestalten Sie eine „Sprechblasen-Wand“ im Flur. Sätze wie „Zeit ist das, was rumgeht!“ sind die beste Werbung für Ihre pädagogische Arbeit und regen auch die Eltern zum Nachdenken an.

3. Tipp: Vom Gestern, Heute und Morgen

„Morgen bin ich beim Papa gewesen!“ Vor allem jüngere Kinder nutzen die Zeitbegriffe „gestern“, „heute“ und „morgen“ sehr frei und kreativ. Denn diese Worte haben noch keinen Bezug zu ihrem Leben, sie sind abstrakt. Tipp: Gestern, heute, morgen – Zeitbegriffe durch die „Farb-Zeitschiene“ begreifen. Mit einer visuellen Zeitschiene schaffen Sie eine Brücke zwischen dem Erlebten und der korrekten zeitlichen Einordnung.

Die Methode: Das Drei-Farben-Prinzip

Nutzen Sie die psychologische Wirkung von Farben, um Zeiträume voneinander abzugrenzen.

Was Sie benötigen:

  • Tonpapier inn 3 verschiedenen Farben. (z.B. Braun für Gestern, Grün für Heute, Gelb für Morgen).
  • Unser Tipp: Lassen Sie die Kinder an der Wahl der Farben teilhaben oder teilen Sie die Farben anhand einer Eselsbrücke zu, z.B. so
    • Braun (Gestern): Wie die Erde. Da haben wir den Samen reingesteckt. Es ist die Basis, die schon da ist.
    • Grün (Heute): Wie das frische Blatt. Es wächst jetzt gerade aus der Erde heraus.
    • Bunt/Gelb (Morgen): Wie die Blüte. Wir warten gespannt darauf, dass sie sich morgen öffnet.

So setzen Sie die Zeitschiene im Morgenkreis um:

  1. Den Tag planen (Heute): Besprechen Sie im Morgenkreis, was heute ansteht (z. B. Turnen, Nudeln essen, Basteln). Die Kinder malen kleine Bilder dazu, die auf den grünen Bogen gepinnt werden.
  2. Den Tag reflektieren (Gestern): Am nächsten Morgen prüfen Sie gemeinsam: „Haben wir gestern wirklich geturnt?“ Wenn ja, wandern die Bilder auf den braunen Bogen. So entsteht nach und nach eine sichtbare Historie der Woche.
  3. Ausblick wagen (Morgen): Führen Sie nach einigen Tagen den gelben Bogen ein. Hier pinnen Sie Bilder für Ereignisse, die fest geplant sind (z. B. der Ausflug in den Wald). Wenn der Tag gekommen ist, „rutscht“ das Bild ins Heute und schließlich ins Gestern.

Pädagogischer Nutzwert: Diese Übung fördert nicht nur das Zeitverständnis, sondern auch das Erinnerungsvermögen und die Vorfreude. Die Kinder lernen die sequentielle Abfolge von Ereignissen kennen – eine wichtige Vorläuferkompetenz für das spätere mathematische Verständnis.

4. Tipp: „Wenn ich groß bin …“ – der Blick in die Zukunft

„Wenn ich groß bin, will ich Polizist werden!“ Über ihre Berufswünsche setzen sich Kinder mit der Zukunft auseinander. Regen Sie diese Gedanken über die Zukunft an, indem Sie den Kindern Fragen stellen wie:

  • „Wie alt wirst du, wenn du Geburtstag hast?“
  • „Welchen Ausflug würdet ihr gerne unternehmen?“
  • „Was wünschst du dir zu Weihnachten?“
  • „Wie wirst du aussehen, wenn du groß bist?“

Den Blick in die Zukunft können Sie auch gestalterisch umsetzen, indem Sie ein Foto von jedem Kind ausdrucken, das die Kinder dann mit Filzstiften in ihr „Erwachsenengesicht“ umwandeln. Bestücken Sie Ihre Verkleidungsecke mit verschiedenen „Erwachsenenaccessoires“ wie Schuhen mit Absatz, Schlipsen, Sakkos … Dann kann eine wunderbare Modenschau entstehen, in der sich Herr Müller und Frau Schwarz präsentieren. So füllen Sie mit den Kindern das abstrakte Thema „Zeit“ mit einer Menge konkreter Erlebnisse – sicher eine spannende Forschungsreise!

Praxis-Tipp: Die „Zukunfts-Galerie“ & das Zeitkapsel-Foto

Um den Blick in die Zukunft für Kinder noch greifbarer zu machen, verknüpfen Sie das Verkleidungsspiel mit einer kreativen Dokumentation. Das schafft nicht nur im Moment Freude, sondern ist auch ein Highlight für das Portfolio.



So setzen Sie den Impuls um:

  • Das „Zukunfts-Ich“-Shooting: Fotografieren Sie die Kinder in ihrer Verkleidung als „Erwachsene“ (mit Schlips, Absatzschuhen oder Koffer). Lassen Sie das Kind dazu einen Satz sagen: „Wenn ich groß bin, dann…“
  • Kreative Bildbearbeitung: Kleben Sie das Foto auf ein Blatt. Die Kinder malen nun mit Filzstiften dazu, was in ihrer Zukunft nicht fehlen darf: Ein Haus, ein Haustier oder das Werkzeug für ihren Traumberuf.
  • Der Überraschungseffekt: Bewahren Sie diese Bilder in einem verschlossenen Umschlag (einer „Zeitkapsel“) auf, der erst am Ende des Kita-Jahres oder beim Abschiedsfest wieder geöffnet wird.

Pädagogischer Mehrwert: Dieser spielerische Vorgriff auf die Zukunft fördert die Selbstwirksamkeit. Das Kind setzt sich aktiv mit seinen Wünschen und Zielen auseinander und erlebt, dass es seine eigene Biografie mitgestalten kann.

Geschichte: Kindern die Zeit erklären

Es war einmal ein kleiner Junge namens Timmy. Eines Tages fragte er seine Mutter: „Was ist Zeit?“

Seine Mutter lächelte und sagte: „Zeit ist etwas, das uns sagt, wann wir aufstehen, essen, spielen und schlafen gehen sollen.“

Timmy dachte darüber nach und fragte: „Aber wie kann ich sehen, ob es Zeit ist, aufzustehen oder zu schlafen?“

Seine Mutter antwortete: „Nun, schau mal auf die Uhr an der Wand. Das kleine Zeiger zeigt die Stunden an und der große Zeiger zeigt die Minuten an. Wenn der kleine Zeiger auf der Zahl 7 und der große Zeiger auf der Zahl 12 steht, bedeutet das, dass es 7 Uhr morgens ist und Zeit ist, aufzustehen und den Tag zu beginnen.“

Timmy war erstaunt und fragte: „Wie lange dauert eine Stunde?“

Seine Mutter antwortete: „Eine Stunde dauert 60 Minuten. Das ist genug Zeit, um eine Geschichte zu lesen oder ein Spiel zu spielen.“

Timmy dachte nach und fragte: „Aber wie kann ich wissen, wann eine Stunde vorbei ist?“

Seine Mutter erklärte: „Die Uhr hat einen Alarm, der klingelt, wenn eine bestimmte Zeit erreicht ist. Wenn du den Alarm auf 8 Uhr einstellst, wird es klingeln, wenn es 8 Uhr ist und du weißt, dass eine Stunde vorbei ist.“

Timmy lächelte und sagte: „Jetzt verstehe ich, was Zeit ist! Es sagt mir, wann ich aufstehen, essen, spielen und schlafen gehen soll. Danke Mama!“

Und so lernte Timmy, dass die Zeit ihm hilft, seinen Tag zu organisieren und dass eine Stunde 60 Minuten dauert. Und er war sehr stolz, als er in der Lage war, die Uhr zu lesen und zu wissen, was die Zeiger bedeuten.

Fazit: Zeitbewusstsein spielerisch im Kita-Alltag verankern

Das abstrakte Konzept „Zeit“ für Kinder greifbar zu machen, ist eine der spannendsten pädagogischen Aufgaben im Kita-Jahr. Wie der Artikel zeigt, gelingt dies am besten durch den Wechsel von Visualisierung und Erleben.

Indem wir den Kindern Werkzeuge wie Sanduhren, strukturierte Tagespläne oder kreative Zeit-Projekte an die Hand geben, fördern wir nicht nur ihr Verständnis für Abläufe, sondern auch ihre Selbstständigkeit und Sicherheit im Alltag.

Die wichtigsten Takeaways für Ihre Praxis:

  • Visualisierung ist alles: Nutzen Sie haptische Hilfsmittel (z. B. eine selbstgebastelte Uhr), um Zeitintervalle sichtbar zu machen.
  • Rituale geben Struktur: Verknüpfen Sie Zeitspannen mit festen Abläufen, um das Zeitgefühl intuitiv zu stärken.
  • Partizipation fördern: Lassen Sie die Kinder aktiv mitbestimmen, wie viel Zeit für bestimmte Projekte eingeplant wird.