Versteckte Bedürfnisse – 7 Beispiele für oft missverstandene Wünsche
Kinder sind sprachlich und kognitiv nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse unverstellt auszudrücken. Sie kleiden sie in Wünsche. Sehen Sie im folgenden Beitrag an 7 Beispielen, wie Kinder ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und welche Missverständnisse dabei entstehen können.
Diese Bedürfnisse sollten Sie kennen
In der frühkindlichen Pädagogik hat es sich eingebürgert, den Arbeiten von Brazelton und Greenspan zu folgen und diese Bedürfnisse zu formulieren:
Jetzt werden Sie nicht erwarten, dass ein 2-jähriges Kind sich an Sie wendet und solch ein Bedürfnis formuliert. Auch Vorschulkinder sind dazu nur im Ausnahmefall in der Lage. Kinder nutzen daher Wünsche. Oftmals ernten sie damit bei den Fachkräften allerdings Unverständnis oder Ungeduld. Besonders, wenn die Willensäußerung sehr absolut klingt.
1. Wunsch: „Ich will beim Essen/im Morgenkreis nur neben dir ( Fachkraft) sitzen.“
| Eindruck | Das Kind klammert, ist unselbstständig |
| Kindliches Bedürfnis | – Beständige liebevolle Zuwendung – Möglicherweise braucht das Kind wegen möglicher Veränderungen eine enge Bindungsbestätigung |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | Ermöglichen Sie dem Kind die gewünschte Nähe, schaffen Sie dann Möglichkeiten, dass es sich in der Gruppe integrieren kann |
2. Wunsch: „Ich will nicht rausgehen/das nicht probieren/bei dem neuen Spiel nicht mitspielen.“
| Eindruck | Das Kind ist verwöhnt/bequem/reizvermeidend |
| Kindliches Bedürfnis | – Sicherheit und Beborgenheit – Das Kind fürchtet sich vor unangenehmen und fremden Erfahrungen, womöglich hat es schlechte Erfahrungen mit Überforderung gemacht |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | – Zeigen Sie Verständnis. Äußern Sie Wertschätzung dafür, dass das Kind gut auf sich acht gibt. – Überlegen Sie gemeinsam, welche Alternativen möglich sind, z.B. rausgehen und mit der Fachkraft dort ein Buch anschauen usw. |
3. Wunsch: „Ich will, dass wir das gleiche Spiel spielen wie gestern.“
| Eindruck | Einfallslosigkeit Mangelnde Flexibilität |
| Kindliches Bedürfnis | – Stabilität und Verlässlichkeit – Das Kind braucht die Wiederholung. Diese bietet ihm Sicherheit und festigt erworbene Fähigkeiten |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | Ermöglichen Sie Wiederholungen und lassen Sie dabei immer wieder neue Elemente einfließen, damit andere sich nicht langweilen |
4. Wunsch: „Ich will heute mein Kostüm anlassen, den ganzen Tag.“
| Eindruck | Das Kind will seinen Willen durchsetzen, beansprucht Sonderrolle |
| Kindliches Bedürfnis | – Individuelle Erfahrungen – Das Kind möchte sich mit dem Kostüm/dem Rollentausch von den anderen abheben und sich damit als „Ich“ fühlen |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | Wenn keine Sicherheitsbedenken bestehen, lassen Sie das Kostüm zu |
5. Wunsch: „Ich will jetzt sofort die große Schere haben.“
| Eindruck | Ungeduld Dominanzverhalten |
| Kindliches Bedürfnis | – Entwicklungsgerechte Erfahrung – Das Kind will seine Selbstwirksamkeit erfahren und zeigen, was Sie ihm schon zutrauen können |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | – Zeigen Sie Wertschätzung für den Wunsch – Vergewissern Sie sich, dass die Regeln für den Umgang damit klar sind |
6. Wunsch: „Ich will nur mit meiner besten Freundin/meinem besten Freund spielen – mit sonst niemandem.“
| Eindruck | Ausgrenzung anderer Kinder |
| Kindliches Bedürfnis | – Teil einer Gemeinschaft sein – und Sicherheit einer vertrauten Beziehung |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | Geben Sie dem Kind die nötige Sicherheit und bahnen Sie Interaktionen zu anderen Spielpartnern an |
7. Wunsch: „Ich will, dass du mein Bild aufhängst – als allererstes.“
| Eindruck | Drängt sich in den Vordergrund |
| Kindliches Bedürfnis | – In seiner Individualität respektiert werden – Das Kind sucht Anerkennung |
| Bedürfnisorientierte Reaktion | – Zeigen Sie Interesse und sprechen Sie mit dem Kind über sein Bild – Suchen Sie gemeinsam nach Möglichkeiten, wie es weiter zu Geltung kommen kann: im Rahmen einer Ausstellung, mit anderen Bildern als Theaterkulisse usw. |
Fazit:
Der erste Eindruck beruht oftmals auf einem Missverständnis. Halten Sie sich daher besonders in herausfordernden Situationen vor Augen: Das Kind arbeitet nicht gegen Sie. Es versucht, mit seinen Mitteln seine Bedürfnisse auszudrücken.