Erzieherin kniet zu Kind, das wütend die Arme vor der Brust verschränkt. Symbol für Bedürfnisorientierter Umgang in der Kita

Versteckte Bedürfnisse – 7 Beispiele für oft missverstandene Wünsche

© KI-generiertes Bild
Üblicherweise wird unterschieden zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Dabei werden Bedürfnisse als etwas definiert, das zur Erhaltung vitaler Funktionen unbedingt erfüllt werden muss. Wünsche hingegen werden oft als ein „Nice-to-have“ bewertet. Nach dem Motto: Kann man haben, muss man aber nicht. Im beziehungsorientierten Umgang greift diese Einschätzung allerdings zu kurz.
Inhaltsverzeichnis

Kinder sind sprachlich und kognitiv nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse unverstellt auszudrücken. Sie kleiden sie in Wünsche. Sehen Sie im folgenden Beitrag an 7 Beispielen, wie Kinder ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und welche Missverständnisse dabei entstehen können.

Diese Bedürfnisse sollten Sie kennen

In der frühkindlichen Pädagogik hat es sich eingebürgert, den Arbeiten von Brazelton und Greenspan zu folgen und diese Bedürfnisse zu formulieren:

7 Grundbedürfnissen von Kindern

  1. Das Bedürfnis nach beständiger liebevoller Zuwendung
  2. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit
  3. Das Bedürfnis nach stabilen, unterstützenden Grenzen
  4. Das Bedürfnis nach individuellen Erfahrungen
  5. Das Bedürfnis nach entwicklungsgerechten Erfahrungen
  6. Das Bedürfnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein
  7. Das Bedürfnis, in seiner Individualität respektiert zu werden

Jetzt werden Sie nicht erwarten, dass ein 2-jähriges Kind sich an Sie wendet und solch ein Bedürfnis formuliert. Auch Vorschulkinder sind dazu nur im Ausnahmefall in der Lage. Kinder nutzen daher Wünsche. Oftmals ernten sie damit bei den Fachkräften allerdings Unverständnis oder Ungeduld. Besonders, wenn die Willensäußerung sehr absolut klingt.

1. Wunsch: „Ich will beim Essen/im Morgenkreis nur neben dir ( Fachkraft) sitzen.“

Eindruck Das Kind klammert, ist unselbstständig
Kindliches Bedürfnis – Beständige liebevolle Zuwendung

– Möglicherweise braucht das Kind wegen möglicher Veränderungen eine enge Bindungsbestätigung
Bedürfnisorientierte Reaktion Ermöglichen Sie dem Kind die gewünschte Nähe, schaffen Sie dann Möglichkeiten, dass es sich in der Gruppe integrieren kann

2. Wunsch: „Ich will nicht rausgehen/das nicht probieren/bei dem neuen Spiel nicht mitspielen.“

Eindruck Das Kind ist verwöhnt/bequem/reizvermeidend
Kindliches Bedürfnis – Sicherheit und Beborgenheit

– Das Kind fürchtet sich vor unangenehmen und fremden Erfahrungen, womöglich hat es schlechte Erfahrungen mit Überforderung gemacht
Bedürfnisorientierte Reaktion – Zeigen Sie Verständnis. Äußern Sie Wertschätzung dafür, dass das Kind gut auf sich acht gibt.

– Überlegen Sie gemeinsam, welche Alternativen möglich sind, z.B. rausgehen und mit der Fachkraft dort ein Buch anschauen usw.

3. Wunsch: „Ich will, dass wir das gleiche Spiel spielen wie gestern.“

Eindruck Einfallslosigkeit

Mangelnde Flexibilität
Kindliches Bedürfnis – Stabilität und Verlässlichkeit

– Das Kind braucht die Wiederholung. Diese bietet ihm Sicherheit und festigt erworbene Fähigkeiten
Bedürfnisorientierte Reaktion Ermöglichen Sie Wiederholungen und lassen Sie dabei immer wieder neue Elemente einfließen, damit andere sich nicht langweilen

4. Wunsch: „Ich will heute mein Kostüm anlassen, den ganzen Tag.“

Eindruck Das Kind will seinen Willen durchsetzen, beansprucht Sonderrolle
Kindliches Bedürfnis – Individuelle Erfahrungen

– Das Kind möchte sich mit dem Kostüm/dem Rollentausch von den anderen abheben und sich damit als „Ich“ fühlen
Bedürfnisorientierte Reaktion Wenn keine Sicherheitsbedenken bestehen, lassen Sie das Kostüm zu

5. Wunsch: „Ich will jetzt sofort die große Schere haben.“

Eindruck Ungeduld

Dominanzverhalten
Kindliches Bedürfnis – Entwicklungsgerechte Erfahrung

– Das Kind will seine Selbstwirksamkeit erfahren und zeigen, was Sie ihm schon zutrauen können
Bedürfnisorientierte Reaktion – Zeigen Sie Wertschätzung für den Wunsch

– Vergewissern Sie sich, dass die Regeln für den Umgang damit klar sind

6. Wunsch: „Ich will nur mit meiner besten Freundin/meinem besten Freund spielen – mit sonst niemandem.“

Eindruck Ausgrenzung anderer Kinder
Kindliches Bedürfnis – Teil einer Gemeinschaft sein – und Sicherheit einer vertrauten Beziehung
Bedürfnisorientierte Reaktion Geben Sie dem Kind die nötige Sicherheit und bahnen Sie Interaktionen zu anderen Spielpartnern an

7. Wunsch: „Ich will, dass du mein Bild aufhängst – als allererstes.“

Eindruck Drängt sich in den Vordergrund
Kindliches Bedürfnis – In seiner Individualität respektiert werden

– Das Kind sucht Anerkennung
Bedürfnisorientierte Reaktion – Zeigen Sie Interesse und sprechen Sie mit dem Kind über sein Bild

– Suchen Sie gemeinsam nach Möglichkeiten, wie es weiter zu Geltung kommen kann: im Rahmen einer Ausstellung, mit anderen Bildern als Theaterkulisse usw.

Fazit:

Der erste Eindruck beruht oftmals auf einem Missverständnis. Halten Sie sich daher besonders in herausfordernden Situationen vor Augen: Das Kind arbeitet nicht gegen Sie. Es versucht, mit seinen Mitteln seine Bedürfnisse auszudrücken.

Gut zu wissen

Kinder greifen auf die Strategien zurück, die sich am erfolgversprechendsten gezeigt haben. Die Erfahrung lehrt sie, dass derjenige, der hartnäckig und vielleicht auch geräuschvoll sich zu Wort meldet, auch gehört wird. Je schneller Sie das Verhalten des Kindes als seinen berechtigten Wunsch nach Aufmerksamkeit ansehen, um so seltener muss es „laut“ werden.