Wer hat bei Kindergartenfesten die Aufsichtspflicht?


05.11.2013
Share Button

Tatsächlich gehört die Aufsichtspflicht zu den großen Fallen von Leiterinnen und Erzieherinnen. Trotzdem sind Informationen in diesem Bereich sehr kompliziert oder zu allgemein gehalten. Gerade in nicht alltäglichen Situationen – insbesondere bei Festen – benötigen Sie aber fundiertes Wissen.

So wird die Verantwortung an Sie delegiert

Die Eltern haben die elterliche Sorge und damit die Aufsichtspflicht (gesetzliche Grundlage ist § 1626 BGB). Mit der Schließung des Betreuungsvertrages delegieren die Eltern ihre Pflicht an den Träger. Der Träger überträgt diese auf die Leitung und über die Leitung auf die Mitarbeiter. Der Inhalt des Betreuungsvertrages legt im Groben Dauer und Inhalt der Pflicht zur Aufsicht fest.

2 Aspekte sind hier wichtig:

  • Schutz des Kindes
  • Schutz vor Schaden durch das Kind gegenüber Dritten

Wer hat die Aufsichtspflicht?

Wo der Verantwortungsbereich Ihrer Einrichtung anfängt, ist meist nicht konkret geregelt. Um sich vor Haftung zu schützen vermeiden Sie von Beginn an

  • Zuständigkeitskonflikte,
  • Verantwortungslücken,
  • Mehrfachzuständigkeiten.

Spätestens nach einem Schaden wird jedoch geregelt, wer nun tatsächlich für die Aufsicht zuständig war. Die Klärung von Zuständigkeitsbereichen ist also das A und O, um vorbeugend Zuständigkeitslücken zu schließen. Oft verlassen sich Erzieherinnen und Eltern gleichermaßen darauf, dass die anderen aufpassen!

Helfen kann der Betreuungsvertrag

Bereits vor der Übernahme der Aufsicht sollte eine Vereinbarung getroffen werden. 4 Fragen, die vorher abgeklärt werden sollten:

  • Wer ist zuständig?
  • Wann ist er zuständig?
  • Wer übernimmt die Zuständigkeit?
  • Wie übergibt er die Zuständigkeit?

Gibt es keine ausdrücklichen Vereinbarungen zur Aufsichtspflicht, so gilt das, was üblich und den Umständen nach selbstverständlich ist. Aber was bedeutet das im konkreten Fall?

So klären Sie Zuständigkeiten

Klären Sie mit der Sicherheitsbeauftragten Grenzen und Inhalt der Vereinbarung ab. Bei Fragen steht Ihnen z.B. die Fachberatung zur Verfügung.
Informieren Sie das Team über dessen Pflichten und die der Eltern. Nur so können Sie einheitliche Maßstäbe in Ihrer Einrichtung vermitteln. Achten Sie auf genügend Hintergrundwissen des Personals bei der Aufklärung der Eltern. Schreiben Sie dazu generelle Leitlinien fest.

Weisen Sie die Eltern auf Inhalt, Dauer und Grenzen der Aufsichtspflicht in der konkreten, außergewöhnlichen Situation hin. Das geht am besten, indem Sie den Eltern die wichtigsten Informationen schriftlich aushändigen und sich dies bestätigen lassen (z.B. bei Abschluss des Betreuungsvertrags).

Wann sind Sie zuständig?

Praxisbeispiel: Bevor die Theateraufführung anfängt, sammeln Sie alle Kinder im Gruppenraum, um sie mit Hilfe Ihrer Kollegin umzuziehen. Sie bitten die Eltern, im Turnraum zu warten. In diesem Fall haben Sie die Aufsichtspflicht übernommen, obwohl die Eltern in der Einrichtung sind. Der Grund: Die Kinder wurden der elterlichen Aufsicht entzogen. Sie haben die Kinder von den Eltern weggeholt.

Wann tragen Eltern die Verantwortung?

Praxisbeispiel: Am Ende der Theateraufführung sorgen Sie für die Aufmerksamkeit aller Eltern im Zuschauerraum und weisen die Kinder auf der Bühne laut und deutlich an, zu den Eltern zu gehen. Danach laden Sie die Eltern mit ihren Kindern zum Kaffeetrinken im Gruppenraum ein.
Jetzt haben die Eltern die Aufsichtspflicht. Denn Sie haben den Eltern das Kind wieder übergeben und ihnen auch die damit verbundenen Pflichten und Rechte zurückübertragen. Wichtig sind immer Klarheit und Eindeutigkeit bei der Übergabe der Kinder

Ihre Organisationspflichten

Der Träger hat Organisationspflichten zu erfüllen. Er hat dafür zu sorgen, dass eine Aufsichtspflichtverletzung weitgehend ausgeschlossen ist, z.B. durch angemessenes Personal. Als Leitung haben Sie dabei eine besondere Verantwortung. Sie müssen das Personal aufklären, beraten, einsetzen und unterstützen und den Träger über Organisationsprobleme entsprechend informieren.

Ihre Verkehrssicherungspflicht

Sie sind verpflichtet, alle Vorkehrungen zu treffen, dass die Einrichtung gefahrlos benutzt werden kann. Es geht gewissermaßen um die Aufsicht über Gegenstände und Gebäude. Die Verkehrssicherungspflicht bezieht sich sowohl auf Kinder Ihrer Einrichtung als auch auf die Besucher.

Share Button

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Tipps für eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier

17. November 2017

Um eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier vorzubereiten, sollten Sie ein Konzept oder einen Zeitplan erarbeiten. Schreiben Sie auf, wo, wann und mit wem die Weihnachtsfeier gestaltet werden soll. Ich habe Ihnen einige Tips sowohl... Tipps für kirchliche wie auch städtische und private Kitas.

Regeln für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat

2. September 2017

Leider wird die Arbeit mit dem Elternbeirat oft als ein notwendiges Übel betrachtet. Doch das muss nicht sein! Legen Sie konkrete Regeln fest, um die Kooperation mit Ihrem Elternbeirat vorteilhafter zu gestalten. So gehen Sie... So legen Sie die Regeln für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat fest

Schon wieder zu spät! So gehen Sie mit Eltern um, die die Abholzeit nicht einhalten

13. Juli 2015

Besonders für Kleinstkinder ist Pünktlichkeit der Eltern ein elementares Bedürfnis. Denn sie müssen erst nach und nach ein Gefühl dafür bekommen: „Meine Mama und mein Papa holen mich wirklich wieder ab, wenn die Zeit in... Mehr erfahren



© 2017 PRO Verlag, Bonn