Das Bild zeigt einen Raum mit Matten, Bällen, Seilen und Schaukeln, die Kleinkinder zur Bewegung anregen sollen.

Bewegende Raumgestaltung für Kleinkinder

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Inhaltsverzeichnis

Günstige Raumbedingungen beeinflussen die Bewegungsentwicklung von Kleinkindern positiv und wirken sich auch günstig auf das Zusammenleben in der Gruppe aus, da Bewegung Spannungen abbaut. Es ist also sinnvoll, die Gestaltung Ihres Bewegungsraums immer wieder zu überdenken und ggf. zu verbessern. Mit dieser Flexibilität in Form einer Um- oder Neugestaltung können Sie den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen der Kleinkinder nach Ruhe und Bewegung gerecht werden.

In diesem Artikel finden Sie praxiserprobte Anregungen, mit denen Sie Ihren Bewegungsraum perfekt gestalten können. In einer Übersicht haben wir alle notwendigen Geräte und Materialien für Sie zusammengestellt.

Mit Bewegung fördern Sie das Lernen der Kleinkinder

Sie stellen den Kleinkindern eine altersgerechte Raumstruktur und kleinkindgerechte Spielobjekte bereit. Darüber hinaus schenken Sie Ihnen Vertrauen und Freiraum zum Ausprobieren und fördern somit die Entwicklung der Kleinkinder.

Gestalten Sie den Bewegungsraum flexibel und durchdacht

Der Bewegungsraum Ihrer Einrichtung sollte, wenn möglich, ausschließlich zur Bewegung genutzt werden. So können beispielsweise Bewegungsbaustellen über mehrere Tage stehen bleiben, damit die Kinder ihre Spiele erweitern können. Günstig ist die Anbringung fester Elemente, wie z. B. einer Schaukelbalkenanlage und einer Sprossenwand.

Der restliche Raum sollte immer flexibel genutzt werden können und vor allem freie Fläche zum Laufen bieten. Angepasst an die aktuellen Bedürfnisse, nutzen Sie unterschiedlichste Materialien und kommen dem Bewegungsdrang der Kinder entgegen.

Schaffen Sie Atmosphäre:

Besonders schön ist es, wenn Ihr Raum über natürliche Lichtquellen (Fenster, bodentiefe Fenster, Dachluke) verfügt. Des Weiteren sollten Sie die Fenster des Bewegungsraumes mit Vorhängen und Rollos ausstatten, damit Sie den Raum beispielsweise zu Ruhe- und Entspannungsspielen abdunkeln können.

Helle und warme Farben wie gelb und orange, natürliche Materialien aus Holz oder Sisal sowie eine regulierbare Wärme- und Luftzufuhr schaffen eine freundliche und behagliche Atmosphäre.

Sorgen Sie für Flexibilität:

Eine Schaukelbalkenanlage mit Wand und Deckenschienen erhöht Ihre Flexibilität enorm. An ihnen können Sie Seile, Schnüre, verschiedene Schaukelelemente, Ringe, Netze und Trapeze anbringen, die zur Bewegung einladen.

Beachten Sie die Wandgestaltung:

An den Wänden aufgemalte Symbole oder Figuren bieten den Kleinkindern einen Anreiz zu gezielten Würfen und regen allgemein zur Bewegung an. Die Wände sollten möglichst glatt sein, um sie jederzeit ins Spiel einbeziehen zu können. So klatschen die Kleinkinder beispielsweise ihre Hände gegen die Wand, ohne sich zu verletzen.

Bieten Sie Klettergelegenheiten: In einer Raumecke oder Nische können Sie Kletterwände und Kletternetze platzsparend in den Raum integrieren.

Zauberkästen und andere Kastensysteme (siehe Tabelle „Großgeräte“) lassen sich in Verbindung mit Brettern und Balken zu unterschiedlichsten Kletterkonstruktionen bzw. Bewegungsbaustellen umbauen. Folgende Geräte-Kombinationen können Sie beispielsweise in eine Bewegungsbaustelle für Kleinkinder integrieren:

  • umgedrehte Turnbänke zum Balancieren.
  • Seile, Strickleitern, Netze und Schaukeln die an der Decke befestigt sind.
  • abgegrenzte Bereiche, in denen die Kinder mit Fahrzeugen fahren können.
  • aufeinandergelegte Matten (Mattenberge) zum Hinaufklettern.
  • verschiedene Bälle und ein umgedrehter Kasten, zum Hineinwerfen der Bälle.

Spar-Tipp: Maximale Bewegung bei minimalem Budget

Gute Raumgestaltung muss nicht immer teure Katalogware sein. Als Leitung können Sie Ihr Budget schonen, indem Sie auf „Loose Parts“ und clevere Wandlösungen setzen:

  • Wandgestaltung mit Klebefolien: Statt teurer Wandmalereien oder fest installierter Paneele nutzen Sie farbiges Markierungsband (Washi-Tape) oder abwischbare Tafelfolie. Damit lassen sich Zielscheiben für Wurfspiele oder „Hüpf-Pfade“ an der Wand gestalten, die jederzeit rückstandslos entfernt oder verändert werden können.
  • Alltagsmaterialien als Großgeräte: Ein umgedrehter, stabiler Holzkasten (vom Träger geprüft) wird mit einer einfachen Gymnastikmatte zum Podest. Alte, gründlich gereinigte Autoreifen (vom lokalen Reifenhändler gespendet) dienen als stabile Basis für Balancierbretter oder als weiche Begrenzung für eine „Fahrzeug-Rennstrecke“.
  • Sponsoring durch lokale Betriebe: Oft fördern örtliche Schreinereien Kitas durch Verschnitt-Hölzer (glatt geschliffen!), die sich ideal als Rampen oder Bauelemente für Bewegungsbaustellen eignen.



Wichtig: Achten Sie auch bei Eigenbauten auf Splitterfreiheit und die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften (UVV). Ein kurzer Check durch den Hausmeister spart hier spätere Haftungsfragen.

Achten Sie auf den richtigen Bodenbelag

In Räumen, in denen Bewegungserziehung stattfindet, müssen grundsätzlich elastische Bodenbeläge verwendet werden. Beispielsweise eine 5 mm starke Korkschicht oder gebundenes Schaumgranulat als Unterlage. Darüber ein Bahnenbelag aus Linoleum oder anderen Materialien. Sie können auch einen mindestens 5 mm starken Kork-LinoleumFertigbelag mit granulierten Korkanteilen verwenden.

Dies ist ein idealer Bodenbelag, wenn in dem Raum viel gerannt und gehüpft wird. Mit aufgemalten Kreisen und Linien erleichtern Sie den Kleinkindern die Orientierung im Raum. Gleichzeitig nutzen Sie die aufgemalten Symbole als Markierung für die verschiedenen Bewegungsspiele der Kinder.

Berücksichtigen Sie diese altersspezifischen Vorlieben:

  • ab 1 Jahr: In diesem Alter lieben die meisten Kindern Stufen zum Klettern und Höhlen zum Verstecken. Rutschen ist ebenfalls eine ausgesprochen beliebte Tätigkeit sowie die Nutzung verschiedener sinnlicher Materialien, wie beispielsweise weiche Baumwolltücher.
  • ab 2 Jahren: Die Kinder klettern oder krabbeln gern in die Höhe. Das Überwinden von Hängenetzen reizt sie ebenfalls. Rückzugsmöglichkeiten in Form von Höhlen sowie Rutschen, sind in dieser Alter immer noch beliebt.

Mit den richtigen Geräten und Materialien animieren Sie die Kinder, sich zu bewegen

Kleinkinder sind ausgesprochen neugierig, sie möchten entdecken und erproben, wie die Dinge um sie herum funktionieren. Meist sind es Spielgeräte- und Spielobjekte, die Kleinkinder dazu anregen, sich zu bewegen und zu spielen.

Im Spiel lernen die Kinder, sich auf die Materialeigenschaften einzustellen und sich deren Besonderheiten anzupassen. Alltagsmaterialien können sie nach ihren eigenen Vorstellungen nutzen.

In der folgenden Tabelle finden Sie Materialien und Geräte, mit denen Sie auf die unterschiedlichen Bewegungsbedürfnisse der Kinder eingehen können, sei es in Bewegungsspielen, Bewegungsbaustellen oder beim freien Experimentieren mit verschiedenen Bewegungsmaterialien.

Anregungen, mit denen Sie Ihre Geräte- und Materialausstattung optimieren

Diese flexiblen und spontan einsetzbaren Kleingeräte benötigen Sie in Ihrem Bewegungsraum1 Schwungtuch, ca. 20 Schaumstoffelemente, Bälle (Gymnastik-, Plastik-, Wasser-, Tennis-, Soft-, Tischtennis- oder kleine Medizinbälle), 1 Reifen pro Kind, Seile und Schnüre, 1 Tau, Sand- und Bohnensäckchen, Gymnastikstäbe, Chiffontücher in bunten Farben, Luftballons (normale und riesige), Biberbausteine, Bogenleiter, stapelbare Hocker.
Mit diesen Alltagsmaterialien bringen Sie Abwechslung in Ihren BewegungsraumDecken, Bettlacken, Netze, Teppichfliesen, Pappteller, Bierdeckel, Pappröhren in verschiedenen Größen, Pappkartons in verschiedenen Größen, Autoschläuche, Schnüre, Bretter/Latten, Baumwolltücher, Wäscheklammern, Kastanien, Korken, Watte, Laub, Garnrollen, Heulrohre, leere Plastikbecher, saubere Getränkekisten, gesäuberte und leere Plastikflaschen, gesäuberte und mit verschiedenen Materialien (beispielsweise gefärbtes Wasser) gefüllte Plastikflaschen.
Psychomotorische Geräte für eine optimale Förderung Ihrer KleinkindgruppeRollbretter, Bogenroller, Rampen, Pezzi-, Igel-, Schaumstoffbälle,Therapiekreisel, Schwungtücher, Wackelbretter, Trampoline, Rutschautos, Laufräder, Roller (hier eignen sich Rampen aus Holz zum Runterrollen und -rutschen), Tonnen, Röhren (beispielsweise Teppichröhren aus Pappe), Holzleitern, Hocker, Kegel, Balanciermöglichkeiten (z. B. luftgefüllte Kunststoffbalken), Rampen, Tunnel, Mattenschaukel, Balancierkreisel, Schaumstoffelemente (Quader, Dreiecke, Rechtecke usw.) zum Tragen, Bauen und Konstruieren, Balancierbalken.
Diese Großgeräte sind die Basis für gelungene BewegungsbaustellenTurnmatten (150 x 100 x 6 cm), Mattenwagen, Weichbodenmatten (z. B. 300 x 200 x 25 cm), Turnkästen, Zauberkastensystem (3 Kästen in verschiedenen Größen, 4 Rundbalken, 3 Balancierbretter, 1 Lederdeckel, 1 Transportwagen), Sprossenwände, große Schaumstoffelemente, Bau- und Balancierbretter, Hühnerleiter, Piklerdreieck, Schaukelaufhängung, Hängematte, Fender.

Eine Vielfalt an Material ist vorteilhaft für Ihren Bewegungsraum

Bieten Sie den Kindern im Bewegungsraum immer eine Auswahl an Materialien zum Spielen und Ausprobieren an. Stimmen Sie Ihre Materialauswahl immer auf die aktuellen Bedürfnisse der Kleinkinder ab und setzen auch mal einen eigenen Impuls. Auf diese Weise können die Kinder alle Materialien und Geräte ausprobieren.

Achten Sie jedoch darauf, dass Sie die Kinder nicht mit Bewegungsmaterialien überschütten und die notwendige Bewegungsfreiheit bestehen bleiben kann.

So bewahren Sie die Materialien und Geräte am besten auf

Wenn ein mindestens 1 m² großer Raum an Ihren Bewegungsraum angrenzt, nutzen Sie ihn als Aufbewahrungsraum. Wenn Sie Regale an den Wänden anbringen, haben Sie viel Stauraum- und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die verschiedenen Bewegungsmaterialien und Geräte.

Tipp für Ihre Praxis

Wenn Sie in Ihrer Kita über einen langen, schlauchartigen Flur verfügen, statten Sie ihn mit Rutschfahrzeugen und Hüpftieren aus. Die Kleinkinder können sich damit hin und her über den Flur bewegen. Auch einen Flur, der über quadratische, weite Flächen oder eine Art Empfangshalle verfügt, können Sie gut für Kreis- und Bewegungsspiele nutzen.

Sicherheit & Versicherungsschutz (Fokus: Haftung & DGUV)

Bei der Planung bewegungsfreudiger Räume steht die Sicherheit an erster Stelle – nicht nur zum Schutz der Kinder, sondern auch zur rechtlichen Absicherung der Leitung. Eine DGUV-konforme Raumgestaltung ist kein Hindernis für die Pädagogik, sondern deren Fundament.

  • Fallschutz konsequent planen: Achten Sie bei U3-Kindern darauf, dass bereits ab einer Podesthöhe von 60 cm stoßdämpfende Böden oder Matten (nach DIN EN 1177) zwingend erforderlich sind.
  • Fingerfallen vermeiden: Bewegliche Elemente wie Schaukeln oder Kletterwände müssen so beschaffen sein, dass keine Fangstellen für Finger oder Köpfe entstehen (Abstände unter 8 mm oder über 25 mm prüfen).
  • Regelmäßige Prüfung: Integrieren Sie die neuen Bewegungselemente in Ihr Bestandsverzeichnis für die jährliche Hauptinspektion durch Sachverständige. Dokumentieren Sie zudem die wöchentliche Sichtprüfung durch das Team im Rahmen des Qualitätsmanagements.

Mitarbeitergesundheit (Arbeitsschutz & Akustik)

Ein bewegungsintensiver Raum ist oft ein lauter Raum. Für die Kita-Leitung ist die Gestaltung daher immer auch eine Frage des Arbeitsschutzes. Ein hoher Lärmpegel stresst das Nervensystem der Fachkräfte und erhöht den Krankenstand.

  • Akustische Optimierung: Nutzen Sie bei der Umgestaltung die Chance, Schallabsorber an Decken oder als Wandelemente zu installieren. Schon wenige Quadratmeter Akustikvlies können den Nachhall massiv senken.
  • Rückengerechtes Mobiliar: Bewegungserziehung findet oft auf Bodenniveau statt. Stellen Sie sicher, dass für die Fachkräfte ergonomische Sitzgelegenheiten (z. B. bodennahe Stühle mit Rückenlehne) vorhanden sind, um Fehlbelastungen der Wirbelsäule bei der Begleitung der Kinder zu vermeiden.
  • Dynamisches Mitmachen: Motivieren Sie Ihr Team, die Bewegungslandschaften selbst als ergonomische Chance zu nutzen, statt in statischen Positionen zu verharren.

Praxis-Check: Lärmbelastung im Bewegungsraum selbst messen

Dauerhafter Lärm ist einer der Hauptgründe für Stress und Erschöpfung bei Erzieher:innen. Nutzen Sie als Leitung diesen einfachen Quick-Check für den Arbeitsschutz:

  • Messung: Laden Sie eine kostenlose Dezibel-App (z. B. „Schallmessung“) auf Ihr Smartphone.
  • Referenzwert: Messen Sie während einer aktiven Bewegungsstunde. Werte über 80 dB (vergleichbar mit einer lauten Kantine oder Straßenverkehr) gelten auf Dauer als belastend.
  • Sofort-Maßnahme: Wenn der Nachhall im Raum zu hoch ist, helfen oft schon „weiche“ Akustik-Elemente oder spezielle Schallschutz-Segel an der Decke.

Wichtig: Ein akustisch optimierter Raum senkt nachweislich den Cortisolspiegel Ihres Teams und verbessert die Konzentrationsfähigkeit der Kinder.

Mein Fazit

Mit einem gut organisierten und optimal ausgestatteten Bewegungsraum können Sie auf die unterschiedlichen Bewegungsbedürfnisse von Kleinkindern optimal eingehen. Maßgeblich ist jedoch, dass Sie ihn so oft wie möglich, im besten Fall mehrmals täglich, nutzen. Auch die anderen Räume Ihrer Krippe sollten bewegungsfreundlich gestaltet sein.

Sie fördern so nicht nur die motorische Beweglichkeit der Kleinkinder. Auch das Zusammenleben Ihrer Kindergruppe wird ruhiger und lockerer, da durch Bewegung auch viele Spannungen abgebaut werden.