„Der kleine Novembertag“ – Eine Vorlesegeschichte


05.11.2013
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Der kleine Novembertag ist ganz aufgeregt – jetzt dauert es nicht mehr lange, dann ist er endlich an der Reihe. Ein ganzer Tag ist sein Tag! Er hat sich vorgenommen, sich mächtig ins Zeug zu legen. Doch seine Brüder setzen ihm mächtig zu.

Die August-Brüder lachen über den Novembertag

„Na, kleiner Novembertag, freust du dich schon? Blöd nur, dass sich niemand auf dich freut! Denn die Menschen mögen den November gar nicht. Da ist es ihnen zu neblig, zu windig und zu dunkel. Alle müssen im Dunkeln aus dem Haus gehen und es ist schon Nacht, wenn sie heimkommen. Du bist einfach zu kurz!“, lachen und spotten sie. „Bei uns ist das ganz anders. Da zwitschern die Vögel schon, wenn die Menschen früh aufstehen. Den ganzen Tag scheint die Sonne, niemand friert, alle lachen und sind fröhlich. So mögen es alle. Tut mir leid, aber dich mag niemand, kleiner Novembertag!“

Der kleine Novembertag wird traurig

Die Dezember-Brüder haben den Spott ihrer August-Geschwister gehört. Sie sind zwar noch ein wenig kleiner als der Novembertag, aber sie bilden sich mächtig etwas auf den Dezember ein. „Bei uns ist auch ziemlich dunkel. Aber im Dezember mag das jeder. Dann zünden die Leute die Kerzen am Adventskranz an und freuen sich über den warmen Schein. Und wenn wir es erst schneien lassen! Du müsstest die Kinder hören können, wie sie lachen und jauchzen, wenn sie den Berg hinabsausen. Das Allerbeste kommt ja erst. Wir bringen Weihnachten. Das ist ein Fest, das müsstest du einmal erleben! Was hast du denn schon zu bieten?“

Der kleine Novembertag wird ganz traurig. Haben seine Brüder recht und niemand mag ihn? Er kommt ganz umsonst und die Menschen sind vielleicht sogar froh, wenn er wieder geht? Eine Träne kullert über seine Wange. Da zupft ihn jemand am Arm. Neben ihm steht einer seiner Februar-Brüder

Der Februartag tröstet ihn

„Sei nicht traurig!“, tröstet er seinen Bruder, „Sie sagen das Gleiche über mich. Aber denke daran: Jeder Tag ist etwas Besonderes, denn es kommt darauf an, was man daraus macht! Dann machst auch du die Menschen glücklich!“ Und dann senkt er seine Stimmeund flüstert: „Ach, übrigens, im letzten August hat es ganz schön geregnet und im Dezember fühlen sich die Menschen manchmal sehr im Stress, damit sie für Weihnachten alles schaffen. Also glaube nicht alles, was deine tollen Brüder so erzählen!“

Der kleine Novembertag wischt sich die Tränen von den Wangen und streckt sich. Schon fühlt er sich gar nicht mehr so klein. „Na, wartet, ich werde es euch zeigen! Mein Tag wird gut werden!“, sagt er, um sich Mut zu machen. Er muss gar nicht mehr lange warten.

Jetzt geht es los!

Mitten in der Nacht macht sich der kleine Novembertag schon bereit. Er will sich von der ersten Minute seines Tages an anstrengen. Doch – oh, Schreck, was ist das? Felder, Wiesen und Straßen sind von dickem Nebel bedeckt. Es ist feucht und kalt. Die Erwachsenen laufen dick eingemummelt durch die Straßen. Sie halten den Blick gesenkt, manche schimpfen, weil die Scheiben der Autos dick vereist sind.

Was soll der kleine Novembertag nur tun? Als Erstes muss dieser zähe Nebel weg, das ist klar. Er bläst seine Wangen auf und pustet fest. Lichtet sich der Nebel tatsächlich ein wenig? Er wedelt noch kräftig mit den Armen, da wird ihm ganz warm. Er schaut sich um. Es hat geklappt! Der Nebel ist weg. Die Menschen wickeln sich aus den Schals und schauen zum Himmel. Entdecken sie ein Stückchen Blau zwischen den Wolken? Auch der kleine Tag sieht sich um. Er reißt die Augen auf und staunt. Der Nebel und die Kälte haben alles mit glitzerndem Reif überzogen. Es ist wunderschön und deckt die farblosen Gärten und kahlen Bäume zu.

Da sieht er die ersten Kinder. Sie mag er am liebsten, denn sie sind auch so klein wie er. Und was hört er da? Sie lachen und jauchzen! Der kleine Novembertag ist verwirrt. Es liegt überhaupt kein Schnee und die Kinder können gar nicht Schlittenfahren. Er schaut genauer hin und entdeckt, dass die Kinder eine riesengroße Pfütze gefunden haben, die über Nacht gefroren ist. Mit hellen Begeisterungsrufen schlittern sie über das Eis und lachen laut. Auch der kleine Novembertag wird immer zuversichtlicher. Wenn das nur seine Dezember-Brüder sehen könnten!

Mit neuem Mut drückt und schiebt er die Wolken am Himmel. Es sind viele, dicke Wolkenberge und zu schwer für ihn. Doch mit all seiner Kraft schafft er eine kleine blaue Lücke am Himmel, durch die gegen Mittag die Sonne auf seinen glitzernden Novembertag fällt.

Viel zu schnell geht die Zeit um und der kleine Tag spürt schon die Dunkelheit kommen. „Jetzt werden alle traurig sein, dass es schon dunkel wird und der Tag zu Ende geht“, denkt der kleine Tag enttäuscht. Doch wieder wird er überrascht. Die Kinder können es kaum erwarten, dass es dunkel wird. Sie halten bunte Laternen in der Hand und freuen sich darauf, sie anzuzünden.

Jetzt kommt die Nacht und der kleine Novembertag muss gehen. Mit einem letzten Blick zurück sieht er die vielen bunten Lichter in den Laternen der Kinder und hört ihre fröhlichen Lieder.

Der kleine Novembertag ist müde, aber er lächelt glücklich: „Mein Tag war ein schöner Tag!“

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