Sprachförderung in der Kita: Mit Quatschreimen spielerisch die Welt der Laute entdecken
„Hulle-Bulle-Wulle-Wack!“ – Wenn im Morgenkreis plötzlich alle Kinder in schallendes Gelächter ausbrechen, steckt meistens ein Quatschreim dahinter. Was auf den ersten Blick nach bloßer Albernheit aussieht, ist in Wahrheit hochwirksame Sprachförderung in der Kita.
In der pädagogischen Arbeit wissen wir: Sprache lernt man am besten dort, wo die Freude am Ausdruck groß und der Leistungsdruck klein ist. Quatschreime sind das perfekte Werkzeug dafür. Sie laden Kinder dazu ein, mit Lauten zu jonglieren, den Rhythmus von Silben zu spüren und ganz nebenbei ihre phonologische Bewusstheit zu trainieren und das völlig barrierefrei, egal wie groß der individuelle Wortschatz bereits ist.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum die „Sprache ohne Sinn“ für die Literacy-Erziehung so wertvoll ist und wie Sie mit minimalem Aufwand maximale Begeisterung in Ihrer Gruppe wecken.
Warum Quatschreime mehr als „nur Spaß“ sind
In der pädagogischen Fachsprache sprechen wir hier von der Förderung der phonologischen Bewusstheit. Quatschreime haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber „sinnvollen“ Reimen: Da die erfundenen Wörter (wie „Zottel-Mottel-Brumbel“) keinen realen Sinn ergeben, müssen sich Kinder voll und ganz auf den Klang, den Rhythmus und die Endungen konzentrieren.
Das bewirken Quatschreime bei den Kindern:
- Hörschulung: Sie lernen, Silben und Laute präziser herauszufiltern.
- Sprechfreude: Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“. Das nimmt besonders schüchternen Kindern oder Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) die Hemmungen.
- Abstraktionsvermögen: Kinder begreifen, dass Sprache aus Bausteinen besteht, die man neu zusammensetzen kann – eine Kernkompetenz der Literacy-Erziehung.
So unterstützen Sie auf spielerische Weise die Sprachförderung in der Kita
Sprechen Sie den Kindern die nach folgenden Quatschreime vor. Normalerweise brauchen Sie die Kinder nicht extra zum Nachsprechen anzuregen, da Quatschreime einen hohen Aufforderungscharakter besitzen. Sicherlich werden die Kinder die Reime ganz schnell gelernt haben. Entdecken sie auch den Fehler im Reim?
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Der „Namens-Verdreher“ im Morgenkreis: Reimen Sie auf die Namen der Kinder, aber nur mit Quatschwörtern.
- „Heute ist der Leo da, Leo-Deo-Fallerah!“
- „Guten Morgen, Sarah-Farah-Larah!“
- Tipp: Lassen Sie die Kinder das nächste Quatschwort für ihren Nachbarn finden.
Das „Reim-Monster“ füttern: Ein Pappkarton mit Gesicht wird zum Reim-Monster. Es frisst nur Dinge, die sich reimen.
- Erzieherin: „Ich füttere das Monster mit einer Kanne.“
- Kind: „Und ich mit einer Wanne / Manne / Panne!“
- Egal ob das Wort existiert, solange der Klang stimmt, ist das Monster satt.
Fehler-Gedichte: Sprechen Sie bekannte Reime bewusst falsch aus und lassen Sie die Kinder den Fehler „jagen“.
- „Alle meine Entchen schwimmen auf dem… Schrank?“
- Der Protest der Kinder führt sofort zum korrekten Reim und schärft die Aufmerksamkeit.
Fazit: Mut zum Quatsch – Sprachförderung mit Leichtigkeit
Quatschreime sind weit mehr als eine lustige Spielerei für zwischendurch. Sie sind ein hochwirksames Werkzeug der pädagogischen Sprachförderung, das ohne teures Material und lange Vorbereitung auskommt. Indem wir die Logik der Sprache kurzzeitig ausschalten, schärfen wir das Gehör der Kinder für das Wesentliche: den Klang, den Rhythmus und die Struktur unserer Worte.
Ob im Morgenkreis, beim Händewaschen oder als kleiner Wachmacher zwischendurch, geben Sie dem „Blödsinn“ bewusst Raum in Ihrem Kita-Alltag. Sie werden merken: Je lauter gelacht wird, desto mutiger werden die Kinder in ihrer eigenen Ausdrucksweise.