Bildungsbereiche in der Kita: Wichtige Kompetenzen bei Kindern fördern


22.03.2023

Kindergärten und Kitas sind nicht nur Orte, an denen Kinder spielen und mit anderen Kindern in Kontakt kommen sollen, sondern auch Orte des Lernens. Die Kinder bekommen in der Kita durch die Erzieher Bildung vermittelt und werden in ihren Kompetenzen gefördert. Doch was genau heißt eigentlich Kompetenz in der Pädagogik und welche Bildungsbereiche gibt es?

Definition: Was bedeutet der Kompetenzbegriff in der Pädagogik?

Kompetenz in der Pädagogik meint die Fertigkeit und Fähigkeit, Handlungsanforderungen bewältigen zu können. Die Verbindung aus Wissen und Können lernen die Kinder unter anderem in der Kita und können auf Basis dieser Fertigkeit und Fähigkeit auf neue Situationen reagieren und aktuell gefordertes Handeln hervorbringen. 

Insbesondere Handeln, das nicht routinebasiert ist, sondern auf neu auftretende Probleme hin nötig wird, ist damit gemeint. Je stärker Kinder ihre Kompetenzen ausprägen und je größer ihr Repertoire an Fähigkeiten sowie ihr Wissensschatz wird, desto souveräner können sie später durchs Leben gehen. Erlernte Kompetenzen ermöglichen es ihnen, ihren Alltag zu bewältigen.

Die Kompetenzen sind:

  • Funktional bestimmt
  • Erlernbar
  • Überprüfbar

Erzieher in der Kita haben somit die Möglichkeit, die Kompetenz von Kindern gezielt zu fördern und in den verschiedenen Bildungsbereichen auszuprägen.

Auf psychologischer Ebene meint der Begriff Kompetenz die latent vorhandene Leistungsfähigkeit sowie Verhaltensmöglichkeit, auf Basis derer gehandelt werden kann. Im Laufe des Lebens entwickeln sich immer mehr Motivationen, Interessen sowie Werte, die die Motivation für die Anwendung und Weiterentwicklung von Wissen und Können prägen. 

Warum gibt es Bildungsbereiche in der Kita?

Offiziell gibt es zehn Bildungsbereiche in der Kita, die es ermöglichen, Bildungsprozesse zu ordnen. Indem inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden, können sich pädagogische Angebote in einer Kita in verschiedene Bildungsbereiche unterteilen lassen. 

Die Bildungsbereiche helfen pädagogischen Fachkräften dabei, ihre Arbeit zu gliedern und verschiedene Angebote zu unterbreiten. Damit Kita-Kinder deutschlandweit ähnliche Kompetenzen erlernen, sind die Bildungsbereiche festgelegt und in den Bildungsplänen niedergeschrieben. 

In den Bundesländern weichen sie nur minimal voneinander ab, so gibt es in einigen Bundesländern nur acht Bildungsbereiche, da sie dort zum Teil zusammengelegt wurden.

Dadurch, dass die Bildungsbereiche in der Kita funktional bestimmt sind, können pädagogische Angebote so entwickelt werden, dass sie bestmöglich zu den einzelnen Bildungsbereichen passen. Durch die Überprüfbarkeit können Erzieher sichergehen, dass die Kinder in den Bildungsbereichen auch ausreichend Kompetenzen erlernen und kein Bildungsbereich vernachlässigt wird.

Als Erzieher alle Bildungsbereiche zu kennen, ist essenziell, um darauf zu achten, dass die Kompetenzförderung auch in allen Bereichen geschieht und das am besten gleichermaßen.

Wichtig: Für die Kinder sind die Bildungsbereiche irrelevant und sie denken nicht darüber nach, ob ein Angebot aus dem Bereich der ökologischen oder der sprachlichen Bildung stammt. Sie handeln rein interessenbasiert und folgen ihren natürlichen Neigungen und Motivationen.

Welche Bildungsbereiche in der Kita gibt es?

Auch wenn die Bildungsbereiche im tatsächlichen Kita-Alltag häufig verschwimmen, so sind sie doch klar definiert und ermöglichen Erziehern dadurch eine gute Orientierung für ihre Projekte, Spiele und Aktionen mit den Kindern. Die Zusammenfassung einiger Bildungsbereiche macht Sinn, da sie sich zum Teil überlappen. Diese Bildungsbereiche sollten Sie als Erzieher kennen und für Ihre Projektplanung berücksichtigen:

Die Bildungsbereiche sind in diesen Begrifflichkeiten nicht festgelegt, sondern können je nach Quelle auch anders heißen. An den grundsätzlichen Inhalten und Ausrichtungen ändert das aber nichts.

Was umfassen die einzelnen Bildungsbereiche in der Kita genau?

Die einzelnen Bildungsbereiche zielen auf die Förderung von Kompetenzen ab und legen dabei unterschiedliche Schwerpunkte:

1. Bewegung, Körper, Gesundheit und Ernährung

In diesem Bildungsbereich wird den Kindern die Freude an der Bewegung vermittelt, indem diese gezielt gefördert wird, sei es durch die entsprechende Umgebung oder durch bestimmte Spiele und Aufgaben. Kinder haben ein natürliches Bewegungsbedürfnis. Ihre Motorik durch kleine Herausforderungen zu trainieren, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Durch das Spiel mit anderen kommen außerdem soziale Werte wie Empathie und Teamgeist hinzu. Ihren Körper wahrzunehmen und zu erfahren, ist eine wichtige Erfahrung für die Kinder, auf Basis derer sie ihre Identität entwickeln. Auch die Vermittlung davon, was Hygiene ist, wie man sich richtig die Hände wäscht, wie man sich wettergerecht anzieht und was ein gesundes Essen ausmacht, spielen in diesen Bildungsbereich mit hinein.

2. Persönlichkeitsentwicklung

Selbsterkenntnis, Selbstakzeptanz und Selbstveränderung gehören in den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung und haben allesamt das Ziel, dass ein Kind zu einem handlungsfähigen und unabhängigen Individuum wird. Um die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, ist es essenziell, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen und so ihre Selbstwirksamkeit spüren. Das Selbstvertrauen kann auf verschiedene Weise gefördert werden, zum Beispiel, in dem das Kind nach der erfolgreichen Erledigung einer kleinen Aufgabe gelobt wird oder indem es ermutigt wird, etwas zu schaffen. Auch dem Kind zuzuhören, seine Meinung anzunehmen und Bedürfnisse zu respektieren trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei. 

3. Sprache und Kommunikation 

Die Sprachförderung von Kindern ist ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit in der Kita. Mit den Kindern zu sprechen, zu reimen, zu singen und ihnen vorzulesen, prägt das sprachliche Verständnis. Auch gemeinsam mit ihnen durch Bücher zu blättern und ihre Freude an Geschichten und Erzählungen zu wecken, ist Teil des Bildungsbereiches Sprache und Kommunikation. Schließlich wird das eigene Identitätsbewusstsein unter anderem auch durch die Sprache ausgebildet, weshalb es essenziell ist, dass Kinder lernen, Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken.

4. Sozial-emotionale und interkulturelle Bildung

In dem Bereich der sozial-emotionalen und interkulturellen Bildung geht es darum, dass die Kinder eigenes Selbstvertrauen entwickeln, um so auch anderen offen gegenübertreten zu können. Unterschiede zwischen sich und anderen festzustellen und zu akzeptieren und die Neugier der Kinder zu fördern, sind essenzielle Säulen der sozial-emotionalen und interkulturellen Bildung. Zu den Kompetenzen, die Kinder in diesem Rahmen lernen sollen, gehören:

  • Empathie
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Gefühlsregulation
  • Toleranz

5. Kreative Bildung (Musisch-ästhetisch)

Indem Kinder ihre Umwelt mit verschiedenen Sinnen wahrnehmen und diese sinnlichen Erfahrungen sammeln, entwickeln sie eine kreative und aktive Herangehensweise an Aufgabenstellungen. Indem sie innere Bilder erschaffen und lernen, diese auszudrücken, eignen sie sich die Welt an. Über bildnerisches Gestalten, Musik, Tanz und ganz viele Möglichkeiten, die Umwelt zu erkunden, wird die musisch-ästhetische und kreative Kompetenz der Kinder gefördert. Wichtig dafür ist, dass sie ihren natürlichen Neigungen folgen können und von den Erziehern darin unterstützt und bestärkt werden. 

6. Religion und Ethik

Durch die Vorstellung der Feste verschiedener Kulturen und die Erklärung von Glaubensrichtungen lässt sich ein Bewusstsein für Religion schaffen. Auch die Beschäftigung mit dem Tod kann zu diesem Bildungsbereich dazugehören. In Deutschland sind viele Kitas christlich geprägt, aber längst nicht alle messen der Religion und der Vermittlung christlicher Werte dieselbe Bedeutung bei. Ein Grundverständnis zu vermitteln, sollte in jeder Kita praktiziert werden – insbesondere die christlichen Feste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten laden dazu ein, dass die Kinder besser verstehen, wer sie sind.

7. Mathematik & Naturwissenschaftlich-technische Bildung

Ein Gefühl für Formen, Zahlen und Muster zu bekommen, ist Teil der mathematischen Bildung in der Kita. Gesammelte Gegenstände zu ordnen oder zu zählen, gibt ihnen ein Gefühl für Logik. Auch räumliche Perspektiven erfahren die Kinder durch das Spielen und Klettern. In der Erkundung der Natur liegt der Reiz, ihnen Naturwissenschaften näher zu bringen, zum Beispiel durch Waldausflüge, das Spielen mit Wasser oder dem kreativen Basteln mit natürlichen Materialien wie Blättern oder Ästen. Durch Experimentieren, Fragen und der regelmäßigen Begegnung mit der Natur oder auch mit Technik erkennen die Kinder größere Zusammenhänge und können diese zunehmend besser einordnen.

8. Ökologische Bildung 

In diesem Bildungsbereich kommt den Erziehern eine wichtige Vorbildfunktion im Umgang mit der Natur zu, da Kinder sich an ihnen orientieren. Die eigene Umwelt nicht nur kennenzulernen und zu entdecken, sondern auch zu lernen, dass sie schützenswert ist, ist eine wichtige Kompetenzentwicklung. Natur und Umwelt nicht nur zu pflegen, sondern mit ihnen auch verantwortungsvoll umzugehen, ist Teil der ökologischen Bildung. Den bewussten Umgang mit Ressourcen wie Wasser oder Strom oder die Trennung von Abfall sind verschiedene Bausteine dieses Bildungsbereichs.

9. Medienkompetenz

Frühe Medienbildung ist für Kinder wichtig, da Medien ein fester Bestandteil der alltäglichen Kommunikation sind. Sie werden genutzt, um mit anderen in Verbindung zu treten, sich zu informieren und sich unterhalten zu lassen. Die Erlernung von Medienkompetenz meint mehr, als einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Fernsehen zu erlernen. Vielmehr soll es für die Kinder darum gehen, zu verstehen, wie sie Medien (aktiv) für ihr Handeln nutzen können und wie Medien (passiv) zur Bildung von Sichtweisen, Meinungen und Orientierungen beitragen. Nie war Medienkompetenz wichtiger als in der heutigen Zeit, in der Kinder schon von klein auf mit den unterschiedlichsten Medien aufwachsen.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Kompetenzförderung für die Erzieher?

Jeder Bildungsbereich zielt auf eine andere Kompetenzförderung ab. Für Erzieher liegt die große Herausforderung darin, die unterschiedlich entwickelten Fähigkeiten der Kinder zu kennen und zu fördern. So haben einige Kinder mit zwei Jahren Probleme mit der Sprache, während andere noch wenig ausgeprägte motorische Fähigkeiten haben. 

Eine Förderung der Kompetenzen in den verschiedenen Bildungsbereichen ist darauf ausgelegt, nicht nur Bewegung und Sprache zu fördern, sondern ganzheitlich zu wirken. So sollen die Kinder nicht nur miteinander spielen und sprechen, sondern einander auch respektieren, ein naturwissenschaftliches und musikalisches Verständnis entwickeln sowie ein Gefühl für Zahlen und Formen erhalten. Bei einigen Kindern funktioniert das schneller, andere brauchen dafür länger und auch nicht bei jedem Kind sind die Interessen für bestimmte Bereiche gleich stark ausgeprägt. 

Über verschiedene pädagogische Angebote können all diese Bereiche abgedeckt werden, sei es durch Übungen, durch Spiele, durch Lieder oder durch kleine Aufgaben und Projekte. So ist häufig für jedes Kind das richtige dabei.

Welche Rolle spielen die Erzieher bei der Kompetenzförderung der Kinder?

Erzieher lernen im Zuge ihrer Ausbildung oder während eines Pädagogik-Studiums näheres über die einzelnen Bildungsbereiche. Sie erhalten während der Berufsausbildung außerdem Ideen und Inspirationen, mit welchen Spielen, Übungen und Herausforderungen die Kompetenzen der Kinder gefördert werden können. 

Eine entscheidende Grundlage der Kompetenzförderung ist auch das eigene Verhalten der Erzieher. Schließlich sind sie eine wichtige Bezugsperson für die Kinder und dienen in vielerlei Hinsicht als Vorbild. Sich dieser Verantwortung bewusst zu sein, ist eine wichtige Grundlage der pädagogischen Arbeit. 

Wichtig: Jeder Erzieher setzt unterschiedliche Schwerpunkte und Prioritäten, wenn es um die Kompetenzförderung geht. Somit sind trotz Bildungsplänen die Grundlagen der Kinder nicht immer gleich. Schließlich wird nicht jedem Bildungsbereich die gleiche Beachtung geschenkt und während die einen Erzieher einen starken Naturfokus setzen, setzen andere stärker auf die Sprachentwicklung der Kinder.

Wie können Erzieher und Eltern bei der Kompetenzförderung in der Kita zusammenarbeiten?

Indem sich Eltern und Erzieher regelmäßig austauschen, erfahren beide Seiten mehr darüber, wie der Bildungsstand der Kinder ist. So können Erzieher noch gezielter einzelne Bildungsbereiche fördern, wenn sie erfahren, dass ein Kind in einem oder mehreren Bereichen noch Schwächen hat. Das übergeordnete Ziel aller Parteien ist, dass das Kind optimal gefördert wird. 

Treten Probleme mit einem Kind auf, sollten Erzieher sich daher an die Eltern wenden. So werden die in der Kita vermittelten Werte und Aspekte im besten Fall auch zuhause gelebt, damit sich die entsprechende Kompetenz bei dem Kind auch tatsächlich ausbildet. Für Eltern ist es daher wichtig, die Kita ihres Kindes nach den Schwerpunkten der Bildungsbereiche auszusuchen. 

Fazit: Bildungsbereiche in der Kita kennen und die Kompetenzen der Kinder gezielt fördern

Die verschiedenen Bildungsbereiche in der Kita zielen auf die Förderung der kindlichen Kompetenz ab. Die Stärkung von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, aber auch die gezielte Förderung von Sprachentwicklung, Bewegungsdrang, technischem Interesse oder Medienkompetenz ist relevant, um die Kinder nicht nur auf die Schule, sondern auch auf ihr gesamtes Leben vorzubereiten.

Mit den unterschiedlichsten Spielen, Übungen und Projekten können Erzieher die Kinder herausfordern und fördern, sodass sich ihre Kompetenzen entwickeln. Schließlich sollen Kindertagesstätten nicht nur ein Aufbewahrungsort für die Kinder sein, an dem sie mit anderen spielen, sondern die Kinder sollen dort in ihrer frühkindlichen Entwicklung gezielt unterstützt werden. 

Den Erziehern kommt dabei eine große Verantwortung zu – schließlich haben sie auch eine Vorbildfunktion, der sie gerecht werden müssen.


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