Resilienz im Kita-Team stärken: Praxisnahe Tipps für Leitung & Fachkräfte
Aus Ihrer Praxis heraus wissen Sie, es gibt Mitarbeitende, die immer fröhlich, belastbar, motiviert sind. Und es gibt Mitarbeitende, die sich schneller belastet fühlen. Das ist völlig normal und auch okay. Als Leitung können Sie allerdings auch im Kita-Teamalltag immer wieder dazu anregen und Möglichkeiten schaffen, wie jede und jeder Einzelne sich um seine persönliche Resilienz kümmern kann. Meine Tipps sind so angelegt, dass sie zu verschiedenen Zeiten angewendet und umgesetzt werden können, auch und gerade während der Arbeitszeit. Dadurch sind sie besonders wirksam. Geben Sie daher diese Tipps unbedingt an Ihr Team weiter, ausgedruckt an der Team-Pinnwand oder als Tagesordnungspunkt in einer Teamsitzung.
Schaffen Sie als Leitung die Rahmenbedingungen für Resilienz
Viele Übungen aus dem Bereich der Resilienz brauchen nicht viel Zeit, kein Material und keine Vorbereitung. Sie sind also auch im Kita-Alltag umsetzbar, vorausgesetzt: Sie als Leitung sehen diese wenigen Minuten als gewinnbringend und wichtig für jede und jeden Einzelnen an. Ihre Haltung ist also entscheidend, ob Sie Resilienz auch im Alltag fördern möchten und für wichtig finden oder nicht. Die folgenden Tipps können Sie sehr gut an Ihr Team weitergeben und somit aktiv etwas für die Resilienz aller tun. Belastbare, ausgeglichene Mitarbeitende sind das Beste, was Ihnen in der Kita passieren kann, Sie natürlich miteingeschlossen.
Tipp 1: Wenden Sie den ALI-Trick an
Wenn Sie oder Mitarbeitende im Alltag nach einem Elterngespräch, vor einem Konfliktgespräch oder auch einfach nur durch Lärm oder Ähnliches gestresst oder belastet sind, testen Sie den ALI-Trick aus. Ziehen Sie sich dazu 5 Minuten zurück, gerne auch auf die Toilette oder in den Materialraum. Dann gehen Sie wie folgt vor:
- A – Atmen Sie 10 x tief ein und aus, gerne mit geschlossenen Augen. Atmen Sie tief in den Bauch ein und aus.
- L – Lächeln Sie. Diese Bewegung sendet positive Signale an Ihr Gehirn und hebt die Stimmung.
- I – wie ICH, sagen Sie zu sich selbst laut: „Ich schaff das schon.“ Auch das sendet positive Signale ans Gehirn.
Tipp 2: Treffen Sie sich auf 1 Getränk
Persönliche Gespräche wirken wahre Wunder, wenn es darum geht, besser mit Belastungen umzugehen. Wenn Sie mit einer/einem Mitarbeitenden in einem anstrengenden Elterngespräch waren, dann gehen Sie danach gemeinsam in den Pausenraum und trinken einen Tee oder Kaffee mit- einander. Auch wenn dies nur 5 Minuten dauert: Diese Zeit genügt, um den ersten Stress, die Anspannung nach dem Gespräch abzubauen.
Tipp 3: Notieren Sie, was Sie gut können
Wenn Sie oder Mitarbeitende das Gefühl haben: „Heute läuft alles schief und ich kann nichts richtig machen“, dann nehmen Sie sich einen Zettel und einen Stift. Als Leitung können Sie das im Büro tun, Mitarbeitende durchaus im Gruppenraum oder in einer kurzen Kaffeepause. Notieren Sie 5 Dinge, auf die Sie bei sich selbst stolz sind oder die Sie gut können. Diesen Zettel stecken Sie in Ihre Hosentasche und tragen ihn so den ganzen Tag bei sich.
Tipp 4: Gehen Sie aus belastenden Situationen
Ein Konfliktgespräch, anstrengende Kinder, fordernde Eltern: Es gibt viele Situationen im Kita-Alltag, die Sie belasten und fordern. Sorgen Sie gut für sich, indem Sie vor Gesprächen, nach Gesprächen oder, soweit möglich, auch nach besonders anstrengenden Situationen 3 Minuten vor die Tür treten. Schnappen Sie frische Luft, schließen Sie die Augen und atmen Sie tief ein und aus. Als Leitung ist das recht gut möglich. Aber auch Ihren Mitarbeitenden sollten Sie diese Minuten zugestehen.
Tipp 5: Achten Sie auf Ihre Sprache
Jedes Wort, das wir sagen, hat Einfluss auf unser Erleben, unser Stressempfinden, unsere Belastbarkeit. Formulieren Sie vieles negativ, fühlt es sich auch so an und belastet Sie. Achten Sie daher auf positive Formulierungen, das können Sie ohne Extra-Zeitaufwand täglich umsetzen. Beispiele aus Ihrem Alltag sind:
- Das kommende Gespräch wird bestimmt anstrengend, aber ich kann das.
- Unser Projekt werden wir gemeinsam gut schaffen.
- Ich bin mir sicher, wir werden unsere Ziele erreichen.
- Ich weiß, ich kann das.
- Ich habe schon mal eine schwierige Situation geschafft, das wird mir auch dieses Mal gelingen.
Achten Sie auch in Teamsitzungen oder Besprechungen darauf, dass eine möglichst positive Formulierung von allen verwendet wird.
Kann man Resilienz trainieren?
Die kurze Antwort ist: Ja. Resilient zu sein bedeutet:
- Sich nicht von Misserfolgen runterziehen zu lassen
- Gestärkt aus Krisen oder Konflikten hervorzugehen
- Positiv an schwierige Aufgaben heranzugehen
- Strategien zu entwickeln, wie Sie mit Stress umgehen können
- Methoden zu kennen, mit denen Sie schnell in kurze Entspannungsphasen kommen
Die folgenden 3 Trainingseinheiten sind sowohl für Erwachsene als auch für Kinder geeignet.
Trainingseinheit 1: Nutzen Sie die Auszeit
Sie sitzen in einem intensiven Elterngespräch, einer Kleingruppenbesprechung oder im turbulenten Morgenkreis. Sie finden keine Lösung, wie Sie diese Situation auflösen sollen.
Trainingseinheit 2: Packen Sie Neues an
Ihr Alltag ist ein sicheres Arbeitsfeld. Sie kennen die Abläufe, Anforderungen. Ihr Team weiß verlässlich, was wann wie getan werden muss. Die Kinder haben klare Abläufe und Strukturen. Ein Wasserrohrbruch in der Kita bringt Sie da schnell aus der Fassung, das Stresslevel schnellt in die Höhe. Wo kommt jetzt Wasser für das Mittagessen her? Der Badetag muss umgelegt werden, 1 Gruppe muss den Raum wechseln.
Trainingseinheit 3: Die 2-Minuten-Regel
MitarbeiterInnen stehen mit dringenden Fragen vor Ihrer Tür. Eltern rufen an mit einem Anliegen zum Kind. 2 Kinder streiten miteinander und schaukeln sich immer weiter hoch. Alle Situationen erfordern ein klares Handeln. Dafür braucht es einen ruhigen Geist, der überlegt handelt.
Fazit
Resilienz ist eine zentrale Kompetenz für den herausfordernden Kita-Alltag und lässt sich gezielt im Team fördern. Entscheidend ist dabei die Haltung der Leitung: Wer kleine Auszeiten, Reflexion und unterstützende Maßnahmen aktiv ermöglicht, schafft die Grundlage für belastbare und motivierte Mitarbeitende. Praxisnahe Übungen wie der ALI-Trick, bewusste Pausen oder die 2-Minuten-Regel lassen sich ohne großen Aufwand in den Arbeitsalltag integrieren und entfalten gerade dort ihre größte Wirkung. Langfristig profitieren nicht nur die Fachkräfte selbst, sondern auch die Qualität der pädagogischen Arbeit – denn ein resilientes Team kann auch in stressigen Situationen souverän, lösungsorientiert und professionell handeln.