Erzieherin hat die Augen geschlossen und atmet tief durch. Symbolbild für Resilienztraining

Resilienz im Kita-Team stärken: Praxisnahe Tipps für Leitung & Fachkräfte

© KI generiert mit Midjourney
Resilienz ist die Fähigkeit, schwierige, anstrengende Zeiten oder Situationen gesund und ohne dauerhafte Beeinträchtigungen zu meistern. In der Kita haben Sie und Ihr Team tagtäglich anstrengende, belastende Situationen. Es tut also allen gut, sich um das Thema „Resilienz“ zu kümmern, damit Sie weiterhin so begeistert und freudvoll den Kita-Alltag meistern, wie Sie es möchten und in der Regel auch tun. Hier finden Sie Tipps, welche Zeiten im Teamalltag dafür geeignet sind und welche Übungen sich besonders eignen.
Inhaltsverzeichnis

Aus Ihrer Praxis heraus wissen Sie, es gibt Mitarbeitende, die immer fröhlich, belastbar, motiviert sind. Und es gibt Mitarbeitende, die sich schneller belastet fühlen. Das ist völlig normal und auch okay. Als Leitung können Sie allerdings auch im Kita-Teamalltag immer wieder dazu anregen und Möglichkeiten schaffen, wie jede und jeder Einzelne sich um seine persönliche Resilienz kümmern kann. Meine Tipps sind so angelegt, dass sie zu verschiedenen Zeiten angewendet und umgesetzt werden können, auch und gerade während der Arbeitszeit. Dadurch sind sie besonders wirksam. Geben Sie daher diese Tipps unbedingt an Ihr Team weiter, ausgedruckt an der Team-Pinnwand oder als Tagesordnungspunkt in einer Teamsitzung.

Schaffen Sie als Leitung die Rahmenbedingungen für Resilienz

Viele Übungen aus dem Bereich der Resilienz brauchen nicht viel Zeit, kein Material und keine Vorbereitung. Sie sind also auch im Kita-Alltag umsetzbar, vorausgesetzt: Sie als Leitung sehen diese wenigen Minuten als gewinnbringend und wichtig für jede und jeden Einzelnen an. Ihre Haltung ist also entscheidend, ob Sie Resilienz auch im Alltag fördern möchten und für wichtig finden oder nicht. Die folgenden Tipps können Sie sehr gut an Ihr Team weitergeben und somit aktiv etwas für die Resilienz aller tun. Belastbare, ausgeglichene Mitarbeitende sind das Beste, was Ihnen in der Kita passieren kann, Sie natürlich miteingeschlossen.

Tipp 1: Wenden Sie den ALI-Trick an

Wenn Sie oder Mitarbeitende im Alltag nach einem Elterngespräch, vor einem Konfliktgespräch oder auch einfach nur durch Lärm oder Ähnliches gestresst oder belastet sind, testen Sie den ALI-Trick aus. Ziehen Sie sich dazu 5 Minuten zurück, gerne auch auf die Toilette oder in den Materialraum. Dann gehen Sie wie folgt vor:

  • A – Atmen Sie 10 x tief ein und aus, gerne mit geschlossenen Augen. Atmen Sie tief in den Bauch ein und aus.
  • L – Lächeln Sie. Diese Bewegung sendet positive Signale an Ihr Gehirn und hebt die Stimmung.
  • I – wie ICH, sagen Sie zu sich selbst laut: „Ich schaff das schon.“ Auch das sendet positive Signale ans Gehirn.

Tipp 2: Treffen Sie sich auf 1 Getränk

Persönliche Gespräche wirken wahre Wunder, wenn es darum geht, besser mit Belastungen umzugehen. Wenn Sie mit einer/einem Mitarbeitenden in einem anstrengenden Elterngespräch waren, dann gehen Sie danach gemeinsam in den Pausenraum und trinken einen Tee oder Kaffee mit- einander. Auch wenn dies nur 5 Minuten dauert: Diese Zeit genügt, um den ersten Stress, die Anspannung nach dem Gespräch abzubauen.

Tipp 3: Notieren Sie, was Sie gut können

Wenn Sie oder Mitarbeitende das Gefühl haben: „Heute läuft alles schief und ich kann nichts richtig machen“, dann nehmen Sie sich einen Zettel und einen Stift. Als Leitung können Sie das im Büro tun, Mitarbeitende durchaus im Gruppenraum oder in einer kurzen Kaffeepause. Notieren Sie 5 Dinge, auf die Sie bei sich selbst stolz sind oder die Sie gut können. Diesen Zettel stecken Sie in Ihre Hosentasche und tragen ihn so den ganzen Tag bei sich.

Tipp 4: Gehen Sie aus belastenden Situationen

Ein Konfliktgespräch, anstrengende Kinder, fordernde Eltern: Es gibt viele Situationen im Kita-Alltag, die Sie belasten und fordern. Sorgen Sie gut für sich, indem Sie vor Gesprächen, nach Gesprächen oder, soweit möglich, auch nach besonders anstrengenden Situationen 3 Minuten vor die Tür treten. Schnappen Sie frische Luft, schließen Sie die Augen und atmen Sie tief ein und aus. Als Leitung ist das recht gut möglich. Aber auch Ihren Mitarbeitenden sollten Sie diese Minuten zugestehen.

Tipp 5: Achten Sie auf Ihre Sprache

Jedes Wort, das wir sagen, hat Einfluss auf unser Erleben, unser Stressempfinden, unsere Belastbarkeit. Formulieren Sie vieles negativ, fühlt es sich auch so an und belastet Sie. Achten Sie daher auf positive Formulierungen, das können Sie ohne Extra-Zeitaufwand täglich umsetzen. Beispiele aus Ihrem Alltag sind:

  • Das kommende Gespräch wird bestimmt anstrengend, aber ich kann das.
  • Unser Projekt werden wir gemeinsam gut schaffen.
  • Ich bin mir sicher, wir werden unsere Ziele erreichen.
  • Ich weiß, ich kann das.
  • Ich habe schon mal eine schwierige Situation geschafft, das wird mir auch dieses Mal gelingen.

Achten Sie auch in Teamsitzungen oder Besprechungen darauf, dass eine möglichst positive Formulierung von allen verwendet wird.

Meine Empfehlung

Alle Tipps sind im Kita-Alltag sowohl von Ihnen als auch von Ihren Mitarbeitenden umsetzbar. Wichtig ist: Unterstützen Sie als Leitung, wenn jemand eine Auszeit braucht, ein persönliches Gespräch, einen kurzen Spaziergang. Resilienz braucht Zeit im Alltag, die Sie unbedingt ermöglichen sollten. Resiliente Mitarbeitende sind belastbare, motivierte Mitarbeitende. Das können Sie als Leitung täglich tatkräftig unterstützen.

Kann man Resilienz trainieren?

Die kurze Antwort ist: Ja. Resilient zu sein bedeutet:

  • Sich nicht von Misserfolgen runterziehen zu lassen
  • Gestärkt aus Krisen oder Konflikten hervorzugehen
  • Positiv an schwierige Aufgaben heranzugehen
  • Strategien zu entwickeln, wie Sie mit Stress umgehen können
  • Methoden zu kennen, mit denen Sie schnell in kurze Entspannungsphasen kommen

Die folgenden 3 Trainingseinheiten sind sowohl für Erwachsene als auch für Kinder geeignet.

Trainingseinheit 1: Nutzen Sie die Auszeit

Sie sitzen in einem intensiven Elterngespräch, einer Kleingruppenbesprechung oder im turbulenten Morgenkreis. Sie finden keine Lösung, wie Sie diese Situation auflösen sollen.

So geht’s

Nehmen Sie sich eine kreative Auszeit. Unterbrechen Sie die Planung, das Elterngespräch oder den Morgenkreis für 5–10 Minuten und gehen Sie idealerweise kurz nach draußen. Der Abstand von der Situation hilft Ihnen, diese neu zu bewerten, und schafft Raum für Ideen, wie Sie das Elterngespräch weiterführen, den Morgenkreis wieder in den Griff bekommen und in der Planung vorankommen. Wichtig ist: Bewegen Sie sich in der kreativen Auszeit und nutzen Sie diese sofort, wenn Sie merken: „Mir fehlen Ideen, ich habe mich festgefahren.“ Dadurch vermeiden Sie, zu lange in der belastenden Situation zu verbleiben.

Trainingseinheit 2: Packen Sie Neues an

Ihr Alltag ist ein sicheres Arbeitsfeld. Sie kennen die Abläufe, Anforderungen. Ihr Team weiß verlässlich, was wann wie getan werden muss. Die Kinder haben klare Abläufe und Strukturen. Ein Wasserrohrbruch in der Kita bringt Sie da schnell aus der Fassung, das Stresslevel schnellt in die Höhe. Wo kommt jetzt Wasser für das Mittagessen her? Der Badetag muss umgelegt werden, 1 Gruppe muss den Raum wechseln.

So geht’s

Gehen Sie aktiv auf neue Situationen zu. Je geübter Sie darin sind, sich auf Neues einzulassen, umso kreativer und gelassener navigieren Sie durch neue Situationen, stressfrei und in Ruhe planen Sie dadurch, wie Sie mit der neuen Situation umgehen. Um das zu trainieren, suchen Sie sich jeden Tag eine neue Sache, Tätigkeit. So wird das Neue zum Alltag. Statt jeden Tag denselben Tee zu trinken, wechseln Sie täglich mit neuen Sorten ab. Starten Sie den Morgenkreis nicht immer mit demselben Lied, nutzen Sie farbiges Papier am Maltisch statt des bekannten weißen. Verändern Sie die Sitzordnung im Team. Jede kleine Veränderung, die Sie gut meistern, befähigt Sie, auch mit größeren Veränderungen besser und stressfreier umzugehen.

Trainingseinheit 3: Die 2-Minuten-Regel

MitarbeiterInnen stehen mit dringenden Fragen vor Ihrer Tür. Eltern rufen an mit einem Anliegen zum Kind. 2 Kinder streiten miteinander und schaukeln sich immer weiter hoch. Alle Situationen erfordern ein klares Handeln. Dafür braucht es einen ruhigen Geist, der überlegt handelt.

So geht’s

Vermeiden Sie, schnell zu antworten, zu handeln, zu entscheiden, wenn Sie nicht die Ruhe haben, die Entscheidung gut zu überlegen. Entscheiden oder handeln Sie gestresst, wird die Lösung, Entscheidung, Antwort in der Regel nie die beste sein. Wenn Sie merken, die Situation stresst Sie, setzt Sie unter Druck, wenden Sie die 2-Minuten-Regel an. Sagen Sie: „Gib mir 2 Minuten, dann kann ich dir eine gute Antwort geben.“ Auch Kinder können besser entscheiden und handeln, wenn sie in emotionalen Situationen erst mal 2 Minuten zur Ruhe kommen.

Fazit

Resilienz ist eine zentrale Kompetenz für den herausfordernden Kita-Alltag und lässt sich gezielt im Team fördern. Entscheidend ist dabei die Haltung der Leitung: Wer kleine Auszeiten, Reflexion und unterstützende Maßnahmen aktiv ermöglicht, schafft die Grundlage für belastbare und motivierte Mitarbeitende. Praxisnahe Übungen wie der ALI-Trick, bewusste Pausen oder die 2-Minuten-Regel lassen sich ohne großen Aufwand in den Arbeitsalltag integrieren und entfalten gerade dort ihre größte Wirkung. Langfristig profitieren nicht nur die Fachkräfte selbst, sondern auch die Qualität der pädagogischen Arbeit – denn ein resilientes Team kann auch in stressigen Situationen souverän, lösungsorientiert und professionell handeln.